Weil ich von Natur aus neugierig und experimentierfreudig bin, wenn es um das Spielen mit Tarot & Co. geht, habe ich selbstverständlich schon überlegt, ob sich das von Ana vorgestellte System auch auf ein umfunktioniertes Tarotdeck übertragen ließe. – Auch wenn sie betont, dass es sich hierbei um gänzlich unterschiedliche Systeme handelt.
Also mal angenommen, ich bin unterwegs, habe ein Tarotdeck dabei und möchte doch gern mit dem Spielkartensystem à la Ana arbeiten…
Einen ersten Versuch habe ich bereits mit dem Thoth-Deck für mich unternommen, der für mich sehr spannend war und auch ein hochinteressantes Ergebnis zeigte. Es ist wohl nur normal, dass sich eine solche Auslage mit Tarotkarten anders anfühlt und auch anders liest. Denn zwar lassen sich die Bedeutungen der Karten in beiden Systemen auf die Kombination von Zahlen und Elementen zurückführen, doch gibt es feine Unterschiede. Die Symbolanordnungen, Bilder und eigenen Bedeutungen rufen eben auch andere Assoziationen wach. Es ähnelt ein bisschen dem Spiel, eine Tarotauslage noch einmal mit einem anderen Deck nachzulegen und eine ergänzende Sicht zu gewinnen.
Ich habe dann nachträglich die Spielkarten befragt:
Was sollte ich wissen, wenn ich euer System auf ein eurem Aufbau entsprechendes, präpariertes Tarotdeck anwende?
Bereits beim Mischen fielen zwei Karten heraus, die mir zeigten, dass ich mir eine weitere Befragung eigentlich sparen könnte. Aber ich wollte doch üben! Und so konnten mich die fliegenden Karten auch nicht aufhalten. Natürlich habe ich mir die Ausreißer gemerkt:
Zwei schwarze Karten – ♣ 3 'Der Wunsch' und ♠ 8 'Das Steinfeld'… Luft und Erde sind Antagonisten. Ideen, die sich Raum verschaffen und experimentieren wollen (♣ 3 'Der Wunsch') treffen auf eine dichte Mauer aus Erde (♠ 8 'Das Steinfeld'). Oder sollte sich die Wand als Treppe erweisen?? Der Geist (♣ Luft) kann die Übertragung wohl praktisch umsetzen (♠ Erde), doch wo bleibt die Intuition (es fehlt das
♥ Wasser) und Inspiration (
♦ Feuer)? Diese Kombination kommt nicht so richtig erfolgversprechend rüber, wirkt 'verkopft'.
Mal sehen, was eine Gegenwarts-Auslage dazu beisteuert.
Zuerst ein paar Eindrücke, ohne direkt auf die Karten einzugehen:
Kleine Zahlenwerte (2-3-4) zeigen, dass es sich hier um Anfänge oder Ansätze handeln dürfte, dass nur eine oberflächliche Übertragung möglich ist. In den ersten Grundzügen lässt sich der Austausch der Karten vornehmen, doch eben nur nur begrenzt, auf einem niedrigen Level.
Schwarze Karten überwiegen das Bild, was ihm eine Schwere verleiht, es wirkt eher düster, wenig optimistisch, unbewegt.
Es liegen drei von vier Elementen aus – zweimal träge Erde (♠), einmal aufstrebende Luft (♣) und einmal aufstrebendes Feuer (
♦). Es fehlt das Wasser (
♥), das die beiden Erdkarten nähren und fruchtbar machen würde. Möglicherweise ein Hinweis, dass das Ersetzen der Spielkarten durch Tarotkarten zur Folge hat, dass der (ursprüngliche) intuitive Fluss versiegen könnte.
Das Elementebild dieser Auslage erinnert mich an einen Vulkan: Die beiden nach oben strebenden Elemente Feuer und Luft auf Hals- und Bauchposition sorgen zwar für innovative Ideen und geistige Höhenflüge, wollen sich ausdehnen, doch werden sie von oben und unten eingeschlossen vom trägsten Element Erde. Das wirkt irgendwie ‚versperrt‘.
Die Deutung anhand der ausliegenden Karten:
Die konkrete Antwort sehe ich in der Halsposition, weil es sich hier im weiten Sinne um einen Austausch und Vereinbarungen handelt, wenn ich ein System auf ein anderes übertrage.
Die Halsposition wird eingenommen vom ♣ Buben ‚Lancelot du Lac‘, einem geistig sehr regen und wachen, neugierigen jungen Mann. Er ist vielseitig interessiert und talentiert, immer auf der Suche nach neuen Ideen und Eindrücken. Er bringt auch einen Tropfen Wasser mit, weil er einen guten Zugang zu seinen Gefühlen und zu seiner Intuition hat. Als Antwort auf meine Frage bestärkt er mich zunächst, durchaus eine Versuchsreihe zu starten. Sie wird sich sicher belebend auf meinen Geist auswirken und meine Erkenntnisse vertiefen. Da er dem Luftelement angehört, sollte ich darauf gefasst sein, dass es bei einem Versuchsballon bleiben könnte. So spannend das Gedankenspiel auch zu sein verspricht, die anderen Karten werden weitere Tendenzen über die Praktikabilität aufzeigen.
Die Kopfposition zeigt die herrschende Grundstimmung der Auslage an, die Motivation, unter der sich alle anderen Karten einreihen. Die ♠ 3 trägt bei Ana den Titel ‚Das Grab‘. Zeit, etwas zu verabschieden, los- und hinter sich zu lassen, um weiter voranzukommen. Nicht gerade motivierend, tatsächlich einen Kreuzungsversuch zu starten. Und hole ich mir z.B. die Münzen 3 des RWS-Decks vor das innere Augen, dann zeigt sie mit den drei Menschen, die ein gemeinsames Projekt realisieren, eine ganz andere Deutung der Zahlenschwingung 3. Die Karten unter der ♠ 3 können als das Grab selbst betrachtet werden. Was also sollte ich begraben, wovon Abschied nehmen? – Außer dem ♣ Buben.
Auf der Bauchposition liegt die
♦ 2, deren Titel bei Ana ‚Die Rivalen‘ lautet. Des Pudels Kern steckt also vielleicht in einer Art 'Konkurrenz- oder Wettkampf' zwischen den beiden Energien der Kartensysteme, wenn ich diese gegeneinander austausche. Die Anordnung der beiden Karo-Symbole scheint mir sogar eine ‚getrennte Haltung‘ vorzuschlagen. Es sind 2 (!) Systeme, eines hier und eines dort, belasse es auch dabei. Akzeptiere, dass jedes eine eigene Sprache spricht und eine eigene Dynamik, seine persönlichen Stärken hat. Der ♣ Bube möchte dieses Experiment sicher trotzdem gern durchführen wollen (Luft nährt Feuer!), die beiden Systeme werden sich auch darauf einlassen (Feuer braucht Luft zum Brennen!).
Die Basis des Austauschs von Kartendeck und -system wird in der ♠ 4 ‚Der Nordwind‘ ausgedrückt. Die 'gemeinsamen' Wurzeln dürften sich zwar mildernd auswirken (
♦ Feuer und ♠ Erde bilden eine Verbindung von Engagement und Durchführung), doch wird es vermutlich eine holperige, grobe Übersetzung werden. Das
♥ Wasser fehlt einfach in der Auslage, um eine geschmeidige Überblendung zu ermöglichen.
Die geomantische Deutung sei nur der Vollständigkeit halber am Rande erwähnt:
Zeuge nach Zahlen ist FORTUNA MINOR, der sich auf gerade begonnene Unternehmungen misslich auswirkt. Zeuge nach Farben ist ALBUS, eine Figur die hier wohl am ehesten für Weisheit und spirituelle Entwicklung stehen dürfte. Beide zusammen ergeben den Richter CAUDA D, ein Rat, sich von einem solchen Unterfangen abzuwenden.
Mein Fazit:
Ein Austausch der Spielkarten gegen ein entsprechend präpariertes Tarotdeck ist prinzipiell möglich, wird aber keine 1:1 Umsetzung in der Deutung ergeben. (Habe ich auch nicht erwartet…)